Feuchteschutz im Bauwesen: Normen, Tauwasser & Glaser-Verfahren erklärt

Feuchteschutz im Bauwesen: Normen, Tauwasser & Glaser-Verfahren erklärt

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Einleitung: Warum Feuchteschutz so wichtig ist

Feuchtigkeit ist einer der häufigsten Auslöser für Bauschäden. Ob Schimmel, Korrosion oder Wärmeverlust durch nasse Dämmung – Wasser in der Konstruktion kostet Geld und Gesundheit. Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Grundlagen des Feuchteschutzes, welche Normen gelten und wie Planer und Verarbeiter Tauwasser sicher nachweisen oder vermeiden.

1. Feuchtearten und ihre Einwirkung auf Gebäude

Gebäude sind vielfältigen Feuchteeinflüssen ausgesetzt. Die wichtigsten sind:

  • Von außen: Niederschlag, Spritzwasser, drückendes und nicht drückendes Wasser, Bodenfeuchtigkeit, Grundwasser
  • Aus der Nutzung: Kochen, Duschen, Wäsche trocknen, Pflanzen – ein 4-Personen-Haushalt gibt täglich ca. 10,4 kg Wasser an die Raumluft ab
  • Aus der Konstruktion: Baufeuchte, Wasserdampf, Tauwasser

All diese Feuchtearten müssen bei Planung und Ausführung berücksichtigt werden.

2. Relevante Normen im Überblick

Norm Anwendungsbereich
DIN 4108-3 Klimabedingter Feuchteschutz, Tauwassernachweis
DIN 4108-7 Luftdichtheit von Gebäuden
DIN 18195 Abdichtung von Bauwerken
DIN 18531–18535 Abdichtung von Dächern, Verkehrsflächen, Erdreich, Innenräumen, Behältern
DIN 4095 Dränung zum Schutz baulicher Anlagen

Die DIN 4108-3 ist bauaufsichtlich eingeführt – ihre Nachweise sind bereits im Bauantrag zu erbringen.

3. Relative Luftfeuchte und Tauwasser verstehen

Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. Kühlt Luft ab – z.B. an einer schlecht gedämmten Wand – gibt sie Feuchtigkeit als Kondensat ab. Das ist die Grundlage für Schimmelbildung.

Die Formel zur relativen Luftfeuchte:
Φ = c / cs
(c = Wasserdampfkonzentration, cs = Sättigungsfeuchte bei gegebener Temperatur)

Bei 20°C und 50% relativer Luftfeuchte enthält Luft 8,65 g/m³ Wasser. Sinkt die Temperatur, steigt die relative Feuchte – bis zum Taupunkt, an dem Kondensat ausfällt.

Wichtig für mineralische Baustoffe (Beton, Putz, Mauerwerk): Sie nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab (Sorption). Ab 60% relativer Luftfeuchte beginnt Kapillarkondensation – freies Wasser in den Poren, das Schimmel begünstigt.

4. Der sd-Wert und der µ-Wert – Diffusionswiderstand verstehen

Der µ-Wert (Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl) beschreibt, wie stark ein Baustoff Wasserdampf hemmt – im Verhältnis zu Luft (µ = 1).

  • Mineralwolle: µ ≈ 1 → diffusionsoffen → braucht raumseitig eine Dampfbremse
  • Schaumglas: µ → ∞ → dampfdicht → keine Verbindung zwischen den Zellen

Der sd-Wert (wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke) bezieht den µ-Wert auf die tatsächliche Schichtdicke:
sd = m × µ (Einheit: Meter)

Bei mehrschichtigen Bauteilen werden die sd-Werte aller Schichten addiert. Grundregel für Flachdächer: Die sd-Werte müssen von innen nach außen abnehmen, damit Feuchtigkeit entweichen kann!

Vergleich Dämmstoffe und µ-Werte
Vergleich der Wasserdampfdiffusionswiderstände verschiedener Dämmstoffe (µ-Wert)

5. Tauwassernachweis: Das Glaser-Verfahren

Das Glaser-Verfahren ist das normativ vorgeschriebene Rechenverfahren nach DIN 4108-3. Es bewertet, ob und wo in einer Konstruktion Tauwasser ausfällt – basierend auf Temperatur- und Dampfdruckverteilung.

Randbedingungen für die Tauperiode (Dez.–Feb., 90 Tage):

  • Innen: 20°C, 50% rel. Feuchte → Dampfdruck 1.168 Pa
  • Außen: -5°C, 80% rel. Feuchte → Dampfdruck 321 Pa

Randbedingungen für die Verdunstungsperiode (Jun.–Aug., 90 Tage):

  • Innen und außen: Dampfdruck je 1.200 Pa

Das Verfahren unterscheidet vier Fälle: kein Tauwasser, Ausfall in einer Ebene, in zwei Ebenen oder in einem Bereich.

Glaser-Verfahren Tauwassernachweis
Glaser-Diagramm: Sättigungsdampfdruck und Partialdampfdruck im Wandquerschnitt

Tauwasser ist unschädlich, wenn:

  • Es in der Verdunstungsperiode wieder abtrocknet
  • Die Tauwassermenge ≤ 1,0 kg/m² bleibt (bei Folien/Metallen ≤ 0,5 kg/m²)
  • Bei Holz: Feuchtegehalt ≤ 5%, Tauwasser ≤ 0,25 kg/m²

6. Nachweisfreie Konstruktionen

Nicht jede Konstruktion muss rechnerisch nachgewiesen werden. Nachweisfrei sind u.a.:

  • Einschaliges Mauerwerk und Normalbeton-Wände mit Außenputz oder WDVS
  • Wände mit Innendämmung (R ≤ 1,0 m²K/W, sd,i ≥ 0,5 m)
  • Holzwände nach DIN 68800-2 mit diffusionshemmender Schicht (sd,i ≥ 2 m)
  • Erdberührte Wände mit Perimeterdämmung nach DIN 4108-2
  • Warmdächer mit diffusionshemmender Schicht (sd,i ≥ 100 m)

7. Schäden durch Tauwasser – und wie man sie vermeidet

Tauwasserschäden entstehen durch:

  • Wärmebrücken (z.B. Fensterrahmen, Balkonplatten)
  • Unzureichende Dämmung
  • Fehlerhafte Dampfsperren
  • Falsches Nutzerverhalten (zu wenig Lüften, Möbel vor Außenwänden)

Praxistipp: Der fRsi-Wert gibt an, ob eine Bauteiloberfläche schimmelsicher ist. Der Grenzwert liegt bei fRsi ≥ 0,7 (entspricht ≥ 12,6°C Oberflächentemperatur bei Normbedingungen). Moderne gedämmte Wände erfüllen diesen Wert problemlos.

Wandaufbau und Dampfdiffusion
Schematischer Wandaufbau mit Dampfdiffusion und sd-Werten von innen nach außen

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